Ergebnis

Das Preisgericht hat unter Vorsitz der Kunstwissenschaftlerin Hannah Kruse am 20. Oktober 2011 aus den 41 eingereichten Entwürfen zwei erste Preise vergeben:
„Leitung & Linie“ der Künstler Veronike Hinsberg und Olf Kreisel
„Freiräume“ des Künstlerduos Dellbrügge & de Moll.

Zur Realisierung hat das Preisgericht die Arbeit „Leitung und Linie“ von Veronike Hinsberg und Olf Kreisel empfohlen, die durch ihre souveräne künstlerische Haltung überzeugt hat.
Das Konzept nimmt das Kabel als Ausdruck des historischen Industriestandortes auf und abstrahiert es zu roten Stahlrohren, die sich an allen drei Wettbewerbstandorten im Freiraum und um die Bauwerke winden. Damit wird in künstlerischer Weise auf die Geschichte des Ortes verwiesen.
Die konsequente Durchgängigkeit der Arbeit erfüllt die Hauptaufgabe des Wettbewerbs, die unterschiedlichen Bereiche des Campus zu verbinden und ihm einen sichtbaren Zusammenhang zu geben. Die Aufenthaltsqualität wird durch die mögliche Nutzung als Sitzmöbel gestärkt.

Mit dem 2. Preis wurde der Entwurf
(ohneTitel) des Künstlers Florian Japp prämiert.

Ein 3. Preis wurde nicht vergeben.

Mit jeweils einem Ankauf wurden die Arbeiten
„Schwelle | Kleid | Frucht“ von Anna Borgman mit Candy Lenk
(ohne Titel) von Inken Reinert gewürdigt.

Alle zum Kunstwettbewerb eingereichten Arbeiten werden vom 14. bis 25. November 2011
in der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin,
Raum B004 (Gebäude B)
Wilhelminenhofstraße 75A
12459 Berlin öffentlich ausgestellt werden.

Öffnungszeiten: Montags bis Freitags, jeweils 12.00 bis 17.00 Uhr.


ein 1. Preis und Realisierungsempfehlung
„Leitung & Linie“ Veronike Hinsberg und Olf Kreisel

Sonderfachleute:
Thomas Clusen, Bauingenieur, Marko Ludwig, Tragwerksplaner

Beurteilung durch das Preisgericht:Die Arbeit besticht durch ihre unprätentiöse aber souveräne künstlerische Haltung und ihrem freien assoziativen Charakter. Sowohl die Maßstäblichkeit der einzelnen plastischen Elemente, als auch deren Symbolik erscheinen dem Standort, seiner Vergangenheit und Gegenwart angemessen.DieThematisierung des „Kabels“, dem Hauptproduktionsgegenstand des ehemaligen Industriestandortes, nimmt die Geschichte in intelligenter Weise auf und lässt sie subtil wiedererscheinen, wobei hierbei die abstrahierte Gestaltung im Besonderen überzeugt. Die konsequente Durchgängigkeit der Arbeit erfüllt die Hauptaufgabe des Wettbewerbs, die unterschiedlichen Bereiche des Campus zu verbinden und ihm einen sichtbaren Zusammenhang zu geben. Die Eignung als Sitzmöbel wird begrüßt und sollte sichergestellt sein.

Die Tatsache, dass die Arbeit das Preisgericht auch an künstlerische Einlassungen der jüngeren Vergangenheit erinnert, wurde keineswegs als Nachteil erachtet.


ein 1. Preis
„Freiräume“ Dellbrügge & de Moll, Christiane Dellbrügge und Ralf de Moll

Sonderfachleute:
Roderich Scheller, Ausstellungsplaner, Christian Stockmeyer, Landschaftsplaner

Beurteilung durch das Preisgericht:Der Entwurf findet eine äußerst zeitgenössische Sprache die auch zur Benutzung und Partizipation auffordert. Im Sinne der Wettbewerbsaufgabe findet er eine elegante Lösung einer Verbindung der drei Orte über die Außenhaut drei verschiedener Kunstobjekte ohne lediglich Formvarianten zu liefern. Er bietet inhaltlich visionäre Varianten des „Wohnen“ an. Die entworfenen Objekte drängen sich nicht als Kunst auf, sondern wollen und sollen entdeckt werden. Als „Rückzugsmodelle“ können diese aber auch als eskapistisch ausgelegt werden.In der Objektwahl und deren Ästhetik wird ein Bezug zum Ort vermisst.

2. Preis
(ohne Titel) Florian Japp

Sonderfachleute:
Herr Spremberg

Beurteilung durch das Preisgericht:Die Arbeit entspricht in ihrer Gesamtkonzeption überzeugend den Kriterien der Auslobung mit ihren drei auf den jeweiligen Ort bezogenen Objekten.Das Entree der Hochschule an der Wilhelminenhofstraße wird durch eine fest installierte Großskulptur in Transformation eines Bleikabels in überhöhter Fassung überzeugend und für den Raum angemessen gebildet.Das Thema der Kabel- bzw. Isolationsbündel wird am Standort des Akkumulatorenturms im Freiraum durch eine neue Setzung wie selbstverständlich in Form von farblich differenzierten, abstrahierten Kabelsträngen wieder aufgenommen. Für das Gesamtensemble, raumbildend mit Turm, wird ein neuer Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität – Sitzmöglichkeiten – geschaffen. Das Thema der Kabelfertigung wird hier sehr gut und spielerisch variiert.An den Mensaterrassen setzt ein sehr gut positioniertes windbewegtes Objekt einen Schlussakzent der Trilogie, in dem es das zuvor verwandte Farbspektrum auf 40 Einzeltafeln wiederholt. Es entstehen differenzierte Farbspiele, die mit dem Standort an der Lage zur Spree in einem harmonischen Gesamtbild überzeugend erscheinen und mit einer Signalwirkung den Ausblick zum Wasser ausdrücklich thematisieren und nicht verstellen.Die Signifikanz dieser drei sich auf einander beziehenden Objekte zeigt den Bezug zur Geschichte intuitiv auf und wirkt der heutigen Nutzung als Hochschulcampus durch seine Frische und lockere Art angemessen, kann aber auch einen gefälligen, dekorativen Charakter nicht leugnen. Die Eignung der Sitzmöbel wird bezweifelt.


Ankauf
„Schwelle | Kleid | Frucht“ Anna Borgman mit Candy Lenk

Beurteilung durch das Preisgericht:
Die Arbeit reagiert ästhetisch stringent auf die drei Standorte. Die farbige Glasinstallation am Durchgang ist ein würdevoller und maßstäblicher Umgang mit dem Baudenkmal und akzentuiert den Eingang.Der Akkumulatorenturm wird durch die vorgeschlagene skulpturale Umhüllung freigestellt und in seinem Charakter gestärkt. Durch den bewussten Knick wird die Fragilität des Turms hervorgehoben. Der Blick auf die authentische Situation bleibt dabei zwar von zwei Seiten erhalten, dennoch wird auch eine Beeinträchtigung der Denkmalwirkung gesehen.Gegenüber der sensiblen und zugleich klaren und kraftvollen Thematisierung der beiden architektonischen Elemente an Standort 1 und 2, fällt nach Meinung des Preisgerichtes die künstlerische Reaktion mit der symbolisch dargestellten Frucht am Spreeufer deutlich ab.


Ankauf
(ohne Titel) Inken Reinert | Mitarbeit: David Star

Beurteilung durch das Preisgericht:Der Entwurf besteht aus drei unterschiedlichen Elementen, die sich jeweils auf die Standorte beziehen und den gleichen Gestaltungs- prinzipien folgen: Es handelt sich um filigrane Metallkonstruktionen, die mit LED-Leuchten versehen sind und im Prinzip durchgehend leuchten können.Für den Eingangsbereich ist eine Rasterstruktur aus mehreren Ebenen am Gebäude vorgesehen die sich je nach Standort des Betrachters unterschiedlich zeigt. Für den Akkumulatorenturm wird eine Struktur vorgesehen, die das Innere des Turms aufzeigt während am Ufer eine hohe Plastik in Schornsteinform entstehen soll.Die Arbeit überzeugt durch die Variationen eines konsequenten Material- und Lichtkonzeptes, das im Eingangsbereich als freie Form, am Turm als Interpretation, am Ufer als fiktive dreidimensionale Struktur, die auf die Industriegeschichte Bezug nimmt.Der Entwurf sieht in allen Fällen eigene Strukturen vor, die die vorhandenen Architekturen nicht angreifen, aber sich auf diese beziehen.Aufgrund der Dimension des Schornsteins scheint eine Realisierung fraglich. Weiterhin überzeugt beim Akkumulatorenturm nicht, dass die Arbeit sich lediglich auf eine seiner Seiten beschränkt und als Linienzeichnung vergleichsweise grob erscheint. Am Standort 1 wird eine Beeinträchtigung des Denkmalcharakters gesehen.